Die FBB betreibt den Flughafen Schönefeld und über ihre Tochtergesellschaft BFG den Flughafen Tegel. Im Jahr 2017 wurden an den Flughäfen rund 33,3 Millionen Passagiere befördert. Damit ist Berlin der drittgrößte Flughafenstandort in Deutschland. Um die nötigen Kapazitäten für die Zukunft zu schaffen, entsteht derzeit der neue Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt am Standort Schönefeld.
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Nachbarn 09/2018

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Das Nachbarschaftsmagazin für die Flughafenregion.

14 UNTERWEGS IN DER

14 UNTERWEGS IN DER NACHBARSCHAFT Diepensee: Ein Dorf hält zusammen Michael Gleißner und sein Diepensee Mitte Juli: Intensiv strahlt die Sonne durch die platanengesäumte Allee auf den märkischen Boden. Wir sind verabredet mit Michael Gleißner, dem Ortsvorsteher von Diepensee. Der Ort wurde vor rund 15 Jahren für die Bauarbeiten des zukünftigen Hauptstadtflughafens BBI umgesiedelt. Wir wollen wissen, wie es damals war, als die Entscheidung zur Umsiedlung fiel. Michael Gleißner – agiler Mittfünfziger, Familienvater einer Tochter, zweier Söhne und von fröhlicher Natur – nimmt einen großen Schluck aus der Wasserflasche und gibt einen Einblick in das Seelenleben der Dorfgemeinschaft zur damaligen Zeit. „Schwierig war es damals für alle Beteiligten, als sie erfuhren, dass sie ihr Dorf wahrscheinlich aufgeben müssen. Nach kurzer intensiver Verhandlung hatten wir uns dazu entschlossen, umzuziehen – zu unseren Bedingungen. Wir wollten mitsprechen und mitgestalten, wie unser Dorf am neuen Standort aussehen soll. Ein Verbleib und das Wohnen zwischen zwei Start- und Landebahnen des zukünftigen Flughafens war für uns alle ein unzumutbarer Gedanke.“ Gleißner, damals selbst Mitglied im Arbeitskreis Umsiedlung neben dem einstigen Ortsbürgermeister Michael Pilz und dessen Vertreter Helmut Meyer, hebt im Gespräch hervor, dass die Sozialverträglichkeit weit über die bis dato gängige Umsiedlungspraxis der Bundesrepublik hinausging. „In Diskussionsrunden, Bürgerversammlungen, Planungswerkstätten oder bei Ortsterminen wie dem in Kausche, dem Lausitzer Ort, der dem Braunkohleabbau weichen musste und als Vorbild für die Umsiedlung dienen sollte sowie zahlreich klärenden Gesprächen, haben wir ein soziales Anforderungsprofil erarbeitet und somit sichergestellt, dass die Interessen der Bürgerinnen und Bürger von Diepensee im Mittelpunkt der Umsiedlung standen.“ Emotionaler Abschied von der alten Heimat Als Rahmenwerk für die Umsiedlung gilt der Diepensee-Vertrag, der auch liebevoll die „Umsiedlungsbibel“ genannt wird. Darin wurden Umsiedlungsregelungen detailliert festgeschrieben. „Bei all den Errungenschaften für uns Diepenseer darf man dennoch nicht den emotionalen Aspekt der Umsiedlung vergessen“, mahnt der Ortsvorsteher. „Bei einigen Bewohnerinnen und Bewohnern hat es jahrelange Überzeugungsarbeit gekostet, bis sie die neue Heimat als solche auch anerkannt haben.“ „Gerade die Vertriebenen aus den Ostgebieten, die ihre Häuser in Diepensee mit eigener Hand erbaut hatten, nachdem sie im Zuge der Bodenreform neue Parzellen für die Landwirtschaft zugesprochen bekamen, mussten ihre Heimat nun zum zweiten Mal verlassen. Das hat tiefe Wunden bei einigen im Ort hinterlassen“, weiß Wolfgang Paege, Urdiepenseer und stellvertretender Ortsvorsteher, zu berichten. „Was uns allen in diesem langen Prozess geholfen hat, war und ist unser enger Zusammenhalt im Ort. Durch die sozialverträgliche Nachbarn 9/2018

UNTERWEGS IN DER NACHBARSCHAFT 15 Auch die Gräber wurden exhumiert und mitgenommen. Das eiserne Tor zum Friedhof stammt vom alten Gutshof in Diepensee. Der zentrale Anlaufpunkt im Ort ist das Dorfgemeinschaftshaus. Bei der Klinkerverkleidung des Feuerwehrgebäudes handelt es sich um einen Teil der Steine, mit denen im alten Ort Diepensee die Landarbeiterhäuser in der ehemaligen Dorfstraße erbaut wurden. ¢ Die Umsiedlung von Diepensee wurde notwendig, nachdem im Jahr 1996 der Konsensbeschluss der Gesellschafter Berlin, Brandenburg und dem Bund für den Ausbau des Flughafens am Standort in Schönefeld getroffen wurde. Umgesiedelt wurde in den Jahren 1999 bis 2004. Während der Bauarbeiten wurde bei archäologischen Ausgrabungen ein mittelalterliches Dorf entdeckt, das Aufschluss über das Leben der Diepenseer im 13. Jahrhundert gab, und später in einer Wanderausstellung an verschiedenen Orten in Brandenburg zu sehen war. Die Kosten für die komplette Umsiedlung werden mit rund 70 Millionen Euro beziffert, wobei die Kosten nach dem Verursacherprinzip komplett von der Flughafengesellschaft getragen wurden. Diepensee gehört als einer von acht Ortsteilen zur Stadt Königs Wusterhausen. Planung war es uns ja gelungen, den dörflichen Charakter Diepensees auch als neuer Stadtteil von Königs Wusterhausen zu erhalten. Unsere Dorffeste, Silvesterfeiern und die gemeinsam durchgeführten deutschlandweiten Busfahrten haben dazu auch immer wieder unser Gemeinschaftsgefühl gestärkt“, springt Gleißner seinem Vize bei. Ein neuer Ort entsteht: Alt für Neu In Königs Wusterhausen, der als einer von vier Standorten das größte Votum der Diepenseer für die Umsiedelung bekommen hatte, wurden für die 335 Umsiedler Einfamilienhäuser und Mietwohnungen gebaut. Eine eigene Kita, ein Bolzplatz und ein Feuerwehrgebäude durften natürlich auch nicht fehlen, um das intakte Dorfleben weiterhin aufrecht zu erhalten. Die Einweihung des Dorfgemeinschaftshauses mit integrierter Bowlingbahn im Jahr 2004, das vom Trägerverein ehrenamtlich betrieben wird, stellte gleichzeitig den Abschluss der Umsiedlungsarbeiten dar. „Was uns auszeichnet, ist unser Gemeinschaftsgefühl.“ Michael Gleißner, Ortsvorsteher von Diepensee Alltag eines Ortsvorstehers Auf die Frage, was er sich für Diepensee wünscht, antwortet Gleißner kurz und trocken: „Wir Altdiepenseer wünschen uns natürlich, dass die Neuen sich noch stärker in die Gemeinschaft integrieren. Ansonsten geht es uns hier wirklich sehr gut. Das Dorfleben ist intakt, die Infrastruktur mitgewachsen und so langsam vermischt sich auch Alt und Neu im Ort.“ Stundenlang könnte man Gleißner noch zuhören, wenn er über seine Heimat Diepensee spricht, aber dazu ist sein Kalender zu voll. „Jetzt muss ich mich erstmal um die Busanbindung in die Innenstadt nach Königs Wusterhausen kümmern. Der Bus fährt aktuell offensichtlich auf Grund einer Baustelle nicht. Das geht natürlich gar nicht. Zur Not organisieren wir einen eigenen Bus“, sagt er und informiert prompt die zwei Wartenden, die mit fragenden Blicken an der Bushaltestelle warten. Wenn es darauf ankommt, halten sie zusammen, die Diepenseer, und das auch nach der Umsiedlung. CF Nachbarn 9/2018

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