Die FBB betreibt den Flughafen Schönefeld und über ihre Tochtergesellschaft BFG den Flughafen Tegel. Im Jahr 2018 wurden an den Flughäfen rund 34,7 Millionen Passagiere befördert. Damit ist Berlin der drittgrößte Flughafenstandort in Deutschland. Um die nötigen Kapazitäten für die Zukunft zu schaffen, entsteht derzeit der neue Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt am Standort Schönefeld.
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Nachbarn 06/2019

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12 Ulrike Tippe

12 Ulrike Tippe Präsidentin mit Leib und Seele Eilig laufen junge Studierende in Hörsäle, Labore oder in die unweit gelegene Bibliothek, nicht aber ohne im Vorbeigehen rasch ihre Präsidentin, Ulrike Tippe, zu grüßen. Freundlich grüßt sie zurück und bleibt bei einem kurzen Rundgang über den Campus der Technischen Hochschule vor der imposanten Lokomotive der Baureihe 52 stehen, die an den ehemaligen Schwermaschinenbaustandort in Wildau erinnert. Beim Blick auf den Giganten aus Stahl gerät die 57-Jährige, die seit eineinhalb Jahren die Geschicke der größten Hochschule des Landes Brandenburg führt, ins Schwärmen: „Genau diese Kraft, die von der Maschine ausgeht, bringen hier alle mit, um an diesem ganz speziellen Ort die Tradition von Forschung und Lehre weiterzuführen.“ Man nimmt ihr den Elan und Aufbruch sofort ab, wirkt sie doch ähnlich energiegeladen wie ihre Studierenden. Mathematikerin mit Blick fürs Wesentliche Nach ihrem Studium der Mathematik und Astronomie an der Freien Universität Berlin übernahm Tippe Ende der 80er Jahre einen Lehrauftrag an der TFH Berlin – der heutigen Beuth Hochschule – und entwickelte dabei schnell eine Leidenschaft für die Fachhochschulen. „Ich fand die praxisorientierte Arbeit mit Menschen, die zum Teil schon Familien oder Berufe hatten und dennoch einen qualifizierten Hochschulabschluss erlangen wollten, toll.“ Nach der Promotion und einigen Jahren der Selbständigkeit im Bereich der Informatik kam 1997 der Anruf aus Wildau, verbunden mit dem Angebot, einen Mathematikkurs im Fernstudium zu übernehmen. „Zunächst musste ich nachschauen, wo Wildau liegt“, erinnert sie sich an ihre Anfangszeit. Der lose Lehrauftrag entwickelte sich zu einer festen Anstellung, indem sie 2004 dem Ruf als Professorin für Angewandte Mathematik und E-Business/E-Learning im Studiengang Wirtschaftsinformatik folgte. „Mittlerweile gehört der Campus schon seit rund 20 Jahren zu meinem Leben. Den Weg habe ich damals übrigens recht schnell gefunden und das ohne Google Maps,“ schmunzelt sie. Starker Praxisbezug in der Lehre Die gesellschaftliche Skepsis gegenüber Fachhochschulen, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiern, wich schnell. „Heute schaut man aus aller Welt auf unsere Hochschulen für Angewandte Wissenschaften. Ein ähnliches Format gibt es nur noch in Österreich und der Schweiz“, freut sich Tippe, die erst vor einigen Tagen aus China als Repräsentantin ihrer Hochschule zurückgekehrt ist. „Wir waren zusammen mit Wissenschaftsministerin Martina Münch in der Partnerprovinz Hebei bei Peking und haben uns dort mit den Verantwortlichen ausgetauscht. Es besteht ein großes Interesse, vorrangig an unseren dualen Studienangeboten“, fasst sie die Reise zusammen. Das Interesse kommt nicht von ungefähr: Der Praxisbezug ist einmalig, denn die Dozenten müssen eine bestimmte Dauer an beruflicher Praxis außerhalb des Hochschulbereichs aufweisen können. „Das tragen die Kollegen und Kolleginnen dann natürlich auch mit in die Ausbildung und Forschung. Gepaart mit den vielen Industriekontakten blickt die TH auf beeindruckende Übernahmequoten. Fast alle Absolventinnen und Absolventen haben kurze Zeit nach ihrem Abschluss eine Anstellung. Viele von ihnen schon während des Studiums“, sagt sie stolz. Vielfältige Angebote Damit das auch so bleibt, arbeiten Tippe und ihre Verwaltung daran, die Hochschule auch in Zukunft als attraktiven Studien- und Forschungs ort aufzustellen. „Mit dem Future Plan 2025 lassen wir alle Maschinenbau- und Nachbarn 06/2019

13 wirtschaftsnahen Studiengänge komplett auf den Prüfstand stellen, um zu schauen, was die Studierenden wirklich brauchen und welches Rüstzeug wir mitgeben, um in der zunehmend digitalen Welt zu bestehen. Und genau das machen wir mit der angestrebten Digitalisierung unserer Lehre, die wir im Hochschulvertrag fixiert haben. Dabei ist uns aber auch wichtig, das kritische Denken zu fördern, also, ob wir der Technik kritiklos hinterherlaufen wollen oder den Ort der Hochschule nutzen, um ethische Grenzen zu diskutieren“, gibt die Präsidentin einen Ausblick. Das bisherige System mit den kleinen Seminarverbänden soll beibehalten werden: „Wir wollen darin aber vor allem die Wahlmodule noch flexibler machen und somit neue Anreize schaffen.“ Aktuell zählt die Hochschule rund 3.800 Studierende, von denen 17 Prozent einen internationalen Hintergrund haben. Dazu kommen 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie rund 100 Professuren. Regionale Verantwortung und starker Partner aus dem Umfeld „Neben Forschung, Studium und Lehre ist das Wirken in die Region unsere dritte Säule. Zusätzlich zur Kinder- und Seniorenuni bieten wir mit unserem VinnLab Interessierten die Möglichkeit, auch ohne bei uns eingeschrieben zu sein, sich der Wissenschaft hinzugeben. Die Freude am Erkenntnisgewinn zu spüren, ist für mich dabei eine Mission“, sagt sie mit funkelnden Augen und huscht durch das Labor, um kurz bei einer Schülergruppe aus einer Nachbargemeinde über die Schultern zu schauen. Beim Blick in die Nachbarschaft geht dieser natürlich auch nach Schönefeld verrät sie, und weist hin auf die riesigen Chancen der Magnet- und Sogwirkung: „Ich sehe mit der Eröffnung des neuen Flughafens einen treibenden Motor und eine spannende Entwicklung für die gesamte Region auf uns zukommen, bei der wir als starker Partner dabei sein werden.“ Und da ist sie wieder spürbar – die Kraft der Schwermaschine. CF Nachbarn 06/2019

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