Die Flughafengesellschaft FBB betreibt den Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) mit seinen drei Terminals. Berlin ist der drittgrößte Flughafenstandort in Deutschland; gemessen an den ankommenden und abfliegenden Passagieren (ohne Umsteiger) sogar der größte. Die Flughäfen Schönefeld und Tegel fertigten im Jahr 2019, vor der Coronavirus-Pandemie, rund 35,65 Millionen Passagiere ab. Für das Jahr 2020 rechnet die Flughafengesellschaft mit insgesamt rund neun Millionen Passagieren.

The airport company Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) operates Berlin Brandenburg Willy Brandt Airport (BER) with its three terminals. Berlin is the third biggest airport location in Germany and ranks first in terms of origin and destination traffic (not counting connecting passengers). In 2019, before the coronavirus pandemic, the airports in Schönefeld and Tegel handled around 35.65 million passengers. For 2020, the airport company expects a total of around nine million passengers.

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Gate 68 Winter 2012

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22 Gate

22 Gate 68 Metro Das Interview „ Berlin und ich, wir haben uns stark verändert.“ Wladimir Kaminer im Gespräch. Sie schreiben Ihre Bücher auf Deutsch. Es gibt sicher einfacheres, als in einer fremden Sprache zu schreiben. Warum sind Sie überhaupt Schriftsteller geworden? Wladimir Kaminer: Weil ich schon immer gerne Geschichten erzählt habe. Das fing schon im Kindergarten an. Da hatten wir die Gesellschaft der sauberen Teller. Man musste unbedingt aufessen. Ich habe lustige Geschichten erzählt und im Gegenzug haben sie meinen Brei gegessen. Wie erleben Sie so viel? Wir sind ja eine große Familie! Ich erlebe manchmal sogar mehr, als mir lieb ist. Wie arbeiten Sie? Machen Sie sich Notizen, wenn Sie etwas erleben? Manchmal, wenn der Kopf nicht so viele Details behalten kann. Aber eine richtig gute Geschichte kann man nicht vergessen und auch nicht verpassen. Wenn man sich anstrengen muss 1990 kam der Toningenieur Wladimir Kaminer als jüdischer „Kontingentsflüchtling“ von Moskau in die gerade noch bestehende DDR und stürzte sich ins wilde Leben des Wende-Berlins. Seit 1996 schreibt er. 2000 kam sein bekanntestes Buch „Russendisko“ heraus. Es folgten diverse Bände. Seitdem reist der Russe Kaminer in der Welt herum, als Botschafter der jungen deutschen Literatur. Nach seinen Vorträgen legt er oft Platten in seiner „Russendisko“ auf, die in Berlin im Kaffee Burger stattfindet. Nun hat er sein neues Buch „Onkel Wanja kommt“ veröffentlicht. Es geht um seinen Onkel, der ihn in Berlin besucht. Mit Wladimir Kaminer sprach Dirk Krampitz. beim Schreiben, ist es wahrscheinlich keine gute Geschichte. Das Aufschreiben ist das einfachste, ich habe während des Flugs von Amerika nach Deutschland drei Geschichten aufgeschrieben. Ihre Kinder kommen in den Geschichten vor. Finden sie das gut? Früher waren sie sehr froh, dann hatten sie eine Zeit lang keine Lust dazu. In Ihrem neuen Buch geht es um Ihren sterbenskranken Onkel. Und trotzdem habe ich sehr gelacht. Es ist ein ziemliches dramatisches Buch, das viele Beispiele aus dem vorigen Jahrhundert aufgreift, die gar nicht zum Lachen sind. Aber ich glaube, das ist ein vernünftiger Umgang mit der Tragödie des Lebens – wenn man darüber lachen lernt. Sie waren Toningenieur und Dramaturgie-Student in Russland, dann kamen Sie nach Deutschland. Wir waren immer gespannt auf all die Abenteuer, die man uns bieten konnte. Und wir haben die abenteuerlichste Zeit erlebt. Hier in Berlin und in der Sowjetunion. Wir waren Zeugen, wie ein altes Imperium zugrunde ging. Nun bin ich Zeuge, wie ein neues Imperium entsteht: diese Europäische Union. Zerfällt sie nicht eher gerade? Wenn man die Zeitungen liest, hält man die Union für gescheitert. Aber als Berliner und DJ sehe ich, dass wir diese Union auf dem kulturellen Niveau schon erreicht haben. Das Finanzielle und Wirtschaftliche wird folgen. Ich finde das sehr interessant. Warum? Deutschland hat sich bei diesem Projekt ganz deutlich übernommen. Aber das ist eigentlich auch das Interessanteste und das Spannendste an dieser Entwicklung. Es passiert ja nicht oft, Foto: Jan Kopetzky

Gate 68 Das Interview Metro dass die Deutschen sich übernehmen. Normalerweise halten sich die Deutschen ja eher versteckt und tun so, als ob sie ärmer wären, als sie in Wirklichkeit sind. Dass sie sich nun nach vorne stellen und als stärkste Kraft in Europa … das ist schon eine unfassbare Entwicklung. Sie sagten, Sie fühlen sich als Berliner? Hier kann sich jeder zu Hause fühlen. Hier kann sich jeder finden, ohne ein bestimmtes Etikett zu tragen. Die Bevölkerung, die ganze Stadt, hat sich verändert. Berlin ist so interkulturell geworden, wie es nicht einmal Anfang der 90er Jahre war. Es ist die einzige Großstadt in Deutschland und nicht nur eine Kleinstadt, die groß erscheint. Berlin und ich, wir haben uns sehr stark verändert. Alter, ich fühle mich sehr alt. Ich bin ein alter Schriftsteller. Ich muss mal zu dieser Weisheit kommen. In Ihrem Kiez, Prenzlauer Berg, wird manchmal gegen Schwaben und gegen die Touristen gehetzt. Können Sie das verstehen? Ich nehme sie nicht als Touristen wahr. Es sind Menschen, die unterwegs sind. Es ist eine falsche Denkweise, anzunehmen, es ginge uns besser, wenn sie weg sind. Dann kommt Schlimmeres. Mücken oder so. Vor dem Krieg nannte man Charlottenburg auch „Charlottengrad“, weil dort so viele Russen wohnten. Heute gibt es wieder viele Ihrer Landleute hier. In der Friedrichsstraße sprechen alle Verkäuferinnen in den Boutiquen hervorragend russisch. Und auch in der Fischabteilung des Lafayette arbeiten nur Russen. Wie es am Kudamm aussieht, weiß ich nicht. Das ist zu weit weg für mich. Ich bin mit dem Prenzlauer Berg zusammengewachsen. Alles, was ich zum Leben brauche, und das ist ziemlich viel, habe ich hier vor meinem Fenster. Ein Stadion, ein Flohmarkt, Geschäfte, Cafes und Kneipen, ein Park zum Spazierengehen. Und zwei gute Restaurants. Ich blicke auf den Mauerpark, diese komische unsichtbare Sehenswürdigkeit, in dem es weder Park noch Mauer gibt. Gibt es etwas, das Sie in Berlin vermissen? Gute Gurken sind schwer zu kriegen. Aber beim Schwimmbad in der Landsberger Alle, wo ich heute mit meiner Mama schwimmen gehe, da gibt es um die Ecke einen russischen Lebensmit- telladen. Da kehren wir nach dem Schwimmen ein und kaufen „polnische Einweckgurken“ aus Russland. In Deutschland gibt es keine normalen Gurken. Also kleine Gurken mit Gänsehaut, die auch nach Gurken schmecken. Die deutschen Gurken sehen aus wie Handgranaten, so dick. 23 Sie sind Gurken-Spezialist? Gurken sind ein wichtiges Thema für mich. Mein Ziel als Kleingärtner ist es, eines Tages eine eigene Gurkenproduktion auf die Beine zu stellen. Als Konkurrenz zum Spreewald? Der Spreewald liefert ja nur mit Essig umgebrachte und anschließend einbalsamierte Gurken aus. Gut macht man Gurken mit ganz wenig Salz und vor allem ohne Essig ein! Sie sie eigentlich reich, nachdem Ihre Russendisko verfilmt wurde? Ja, na klar. Aber nicht durch die Verfilmung oder die Bücher, sondern durch die vielen Reisen, Freunde, Bekanntschaften und Leser. Der größte Reichtum ist die Fortsetzung des Gesprächs. Aber unser Gespräch muss ich nun beenden. Meine Mutter ist da. Wir gehen schwimmen. ANZEIGE

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