Die Flughafengesellschaft FBB betreibt den Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) mit seinen drei Terminals. Berlin ist der drittgrößte Flughafenstandort in Deutschland; gemessen an den ankommenden und abfliegenden Passagieren (ohne Umsteiger) sogar der größte. Die Flughäfen Schönefeld und Tegel fertigten im Jahr 2019, vor der Coronavirus-Pandemie, rund 35,65 Millionen Passagiere ab. Für das Jahr 2020 rechnet die Flughafengesellschaft mit insgesamt rund neun Millionen Passagieren.

The airport company Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) operates Berlin Brandenburg Willy Brandt Airport (BER) with its three terminals. Berlin is the third biggest airport location in Germany and ranks first in terms of origin and destination traffic (not counting connecting passengers). In 2019, before the coronavirus pandemic, the airports in Schönefeld and Tegel handled around 35.65 million passengers. For 2020, the airport company expects a total of around nine million passengers.

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Gate 68 Winter 2012

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20 Metro Gate 68 Die Reportage Willkommen in Charlottengrad! 2013 ist „Russlandjahr“ in Deutschland. Gefeiert wird mit Ausstellungen und Veranstaltungen. Allein in Berlin leben mehr als 250.000 Russen. Anlass genug für eine Reportage über das „russische Berlin“. Samstagabend, kurz vor Mitternacht. Am Stuttgarter Platz hält eine Limousine mit getönten Scheiben. Natürlich im Halteverbot. Es steigen aus: ein mittelalter Mann in Jogginghose und, ungeachtet der Uhrzeit, Sonnenbrille, dazu eine junge Frau mit sehr, sehr blonden Haaren. „Sdráßtwuj“, sagen sie beim Betreten des Geschäfts am S-Bahnhof Charlottenburg, das sie zielgerichtet ansteuern. Und der Verkäufer antwortet den beiden, natürlich auf Russisch. Das „Rossija“ ist ein Geschäft, das in Berlin inzwischen Kultstatus genießt. In seinem Sortiment führt es alles, was man auch zwischen St. Petersburg und Nowosibirsk erwarten würde. 2005 eröffnet, hat es sich schnell vergrößert. „Wir sind russischer als Russland selber“, sagt der Verkäufer nicht ohne Stolz. Willkommen in Charlottengrad, Willkommen in Berlinograd! Natürlich hat es Udo Lindenberg wieder einmal früher als alle anderen gewusst. Die Russen, so sang er schon 1984, würden bald den Kurfürstendamm bevölkern. „Das KaDeWe wird Party- Sitz vom KGB.“ Er täuschte sich nur in einem Punkt: Wie selbstverständlich ging er davon aus, dass die Russen am Bahnhof Zoo das Politbüro der KP eröffnen würden. Nun, die Geschichte hat es etwas anders gewollt. So wie überhaupt manche Vorstellungen, die wir uns von den Russen machen, dringend überprüft werden müssten. Russen trinken Unmengen Wodka? Sie essen ausschließlich Pelmenis? Und feiern die ganze Nacht über wild und laut? Schauen wir doch einmal nach! Die Geschichte der Russen in Berlin ist lang und wechselhaft. Sie beginnt schon vor der Oktoberrevolution 1917, später lernten die Berliner die Russen vor allem als Sowjetsoldaten kennen, nach dem Mauerfall 1989 auch als Aussiedler. Zeitweise lebten hier Maxim Gorki, Wladimir Nabokov und Boris Pasternak. Das war die Zeit, als Berlin als größte russische Stadt zwischen Paris und Moskau galt. Und konsequent wurde Charlottenburg in Charlottengrad umbenannt. Aber immer hatten die Russen die gleichen Hoffnungen und Nöte wie die Berliner. „Die Frage nach den Russen ist ein Theoriebereich, der für mich nicht existiert“, sagt der Schriftsteller Wladimir Kaminer (siehe Interview auf den Seiten 22-23). Menschen ließen sich „nicht nach Nationalitäten, sondern nach

Fotos: Giribas Jose / SZ Photo / laif, Hermann Bredehorst / Polaris / laif, Dorothea Schmid / laif, Michael Trippel / laif Gate 68 Die Reportage Metro Interessen, Motiven und Zielen verstehen.“ Er hat im Kaffee Burger an der Torstraße die „Russendisko“ ins Leben gerufen. Seit mehr als zehn Jahren pulsiert hier die Tanzfläche, fliegen Arme und Beine durch die Luft, wenn er an den Turntables auflegt. Die Russendisko ist inzwischen ein fester Bestandteil des Berliner Kulturlebens und mit Matthias Schweighöfer in der Hauptrolle sogar verfilmt worden. Dabei ist Wladimir Kaminer nur einer von rund 250.000 russischsprachigen Berlinern, die in den vergangenen Jahren häufig als Studenten, als politische Flüchtlinge, als jüdische Auswanderer, als Wolgadeutsche oder einfach als Menschen kamen, die sich in Deutschland ein besseres Leben erhofften. Keine verbissenen Sowjetfunktionäre mehr, die in Berlin, Hauptstadt der DDR, am Ehrenmal Treptow ihren Kranz niederlegen, sondern Menschen, die heute eine lebendige und vielfältige Gemeinde bilden. Zu der zählen die Russen in Charlottenburg genauso wie die von Karlshorst oder die russischen Juden von Mitte und die Künstler- Szene von Prenzlauer Berg. Die meisten russischsprachigen Berliner leben in Charlottenburg-Wilmersdorf (40.000), Tempelhof-Schöneberg (28.000) und in Marzahn-Hellersdorf (26.000). Außerdem ist die deutsche Hauptstadt wieder eine Attraktion für russische Touristen. Allein im vergangenen Jahr kamen mehr als 124.000 Besucher aus Russland. Häufig sind die russischen Touristen kaufkräftige Besucher, die zum Luxus- Shoppen in die deutsche Hauptstadt reisen, weil diese wesentlich günstiger ist als zum Beispiel Moskau oder Sankt Petersburg. Treffpunkt der so genannten Kaviar-Society ist dabei eindeutig Charlottenburg. In der deutschen Hauptstadt gibt es zudem mehrere Zeitungen, die Namen tragen wie „Russkij Berlin“ oder „Russkaja Germanija“. Dazu haben die russischsprachigen Berliner sogar einen eigenen Radiosender: Radio Russkij Berlin, der auf der Frequenz 97,2 FM sein russischsprachiges Publikum mit russischer Musik und aktuellen Nachrichten versorgt. Es ist in gewisser Hinsicht eine eigene Welt, die sich die Russen in Berlin aufgebaut haben und in der die Deutschen meist nur Gäste sind. Diese Welt ist allerdings nicht feindlich, sondern freundlich, sie schottet sich nicht ab, sie gibt den selbstbewussten Berlinern mit russischem Hintergrund eine Identität. Wer das russische Berlin auf folkloristische Weise kennen lernen möchte, geht am besten an einem kalten Nachmittag in die tadschikische Teestube in Mitte. Sie ist eine Refugium für Nostalgiker und Märchenerzähler. Oder stattet der Kirche der Heiligen Konstantin und Helena (www.ruskirche.de) mit ihrem blank geputzten Kuppeln einen Besuch ab. Im Inneren sieht der Kirchraum aus, als wäre hier jeden Tag Weihnachten. Es glitzert und funkelt, Kerzen Russische Kunst und Kultur in Berlin Theater Russkaja Szena Russische Theaterstücke und Dramen Kurfürstenstraße 123 | Berlin-Tiergarten | www.russkaja-szena.de Russisches Haus der Wissenschaft und Kultur Ausstellungen, Kinofilme, Sprachkurse, Konferenzen und Tagungen Friedrichstraße 176–179 | Berlin-Mitte | www.russischeshaus.de Kino Krokodil Kino für russische und osteuropäische Filme Greifenhagener Straße 32 | Berlin-Prenzlauer Berg | www.kino-krokodil.de Galerie Sandmann Ausstellungen von russischen Künstlern Linienstraße 139–140 | Berlin-Mitte | www.artsandmann.de 21 knistern, die Luft duftet nach Weihrauch und Wachs. Aber auch Potsdam bietet Besuchern einen nostalgischen Einblick in die Geschichte der Russen in Berlin: Seit 1999 gehört die Russische Kolonie Alexandrowka zum Unesco-Weltkulturerbe. König Friedrich Wilhelm III. ließ 1826, im Gedenken an die tiefe Freundschaft zum Zaren Alexander, ein gutes Dutzend Gehöfte in russischer Architektur errichten. In der Teestube Alexandrowka Haus 1 (www.alexandrowka-haus1.de) werden Besucher mit Brot, Salz und Wodka empfangen und nehmen an einer Tafel Platz, die mit Sakuskije, russischen Vorspeisen, gedeckt ist. Dazu wird gesungen und getanzt, Musik wird live gespielt. Wenn schon sonst nicht in der deutschen Hauptstadtregion, so sind doch zumindest hier die russischen Klischees sehr lebendig. Alexander Remler

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